Sommerloch

wpid-Sommerloch-2011-07-16-18-513.jpg

Wer hat eigentlich das Sommerloch erfunden? Es heisst, die Medien haben so die nachrichtenarme Zeit während der Sommermonate definiert, da kaum Tagesaktuelles zu berichten ist. Es wird dann auch über Ereignisse und Personen berichtet, für die sonst kein Platz in den Zeitungen wäre. Ob die Berichterstattung zum 50. Geburtstag des Thüringer Kultusministers damit zusammenhängt, bleibt offen.
In Thüringen ereilt die vermeintlich interessierte Öffentlichkeit im Sommer regelmäßig die Meldung über die Urlaubsvorlieben der Landespolitiker. So irrelevant die Nachfrage für die Regierungsfähigkeit oder die Qualität der Opposition ist, so gefährlich kann die Antwort sein. Die Toskana-Fraktion der SPD ist heute noch legendär und was will der vermeintlich bescheidene volksnahe Politiker ausdrücken, der, in die Jahre gekommen, immer noch an der Ostsee zeltet oder jedes Jahr von neuem den Rennsteig entlang wandert. Besser ist, es so zu halten wie die Kanzlerin und gar nichts sagen.
Diese vornehme Zurückhaltung im vermeintlichen Sommerloch ist im Übrigen eine gute Grundregel für alle Politiker. Man kann Journalisten mit ihrer leeren Zeitungsseite auch sich selbst überlassen. Oder man macht es wie in Thüringen: Da textet die Union vor dem Sommer an, dem ländlichen Raum ein besonderes Augenmerk zu schenken. Breitband. Radwege. Straßenbau – ein Portfolio an Maßnahmen, die helfen, Thüringen jenseits der größeren Städte lebenswert zu gestalten. Früher gehörte dazu auch das deutlich artikulierte und erwanderte Missfallen gegenüber jeder Art von Windrädern. Nun ist Sommer in Thüringen. Die Regierung macht Urlaub, die Ministerpräsidentin folgt später – nach ihrer Energietour. Der ebenfalls Ferien erliegenden Basis haben sie schöne, andere Themen für den ländlichen Raum hinterlassen: Kürzungen des kommunalen Finanzausgleiches ohne Reform desselben intransparenten Systems. Wegfall von Dutzenden Grundzentren, wobei jeder Bürgermeister und VG-Chef natürlich in den kommenden Monaten wieder um Rückeroberung seines Gemeindestatus kämpfen kann. Und zu guter letzt eine völlig überraschend erneut losgetretene Kreisgebietsreformdebatte, bei der mancher Berichterstatter selbst gern Entscheider in der Politik wäre. So macht das Sommerloch doch Freude. Den Wahlkämpfern bei der bevorstehenden Kommunalwahl natürlich auch.