Vogelfestspiele

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In einer Woche beginnen nie dagewesene Feierlichkeiten. In Berlin, in Erfurt und in Speyer soll dem Jubilar eine knappe Woche lang mit einem Buch, Ehrungen, Reden, Namensgebungen und Ehrenmitgliedschaften gewürdigt werden, der unnachahmbar in zwei Bundesländern regiert, zwei Landesverbände der CDU angeführt, zweimal den Bundesrat vorgestanden, zweimal der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgesessen und sogar dreimal absolute Mehrheiten errang. Nur eine Ehrung bleibt ihm versagt, die kostenlose Strassenbahnfahrt durch Erfurt dank einer städtischen Ehrenbürgerwürde. Was im kleinen Nest Tröbnitz dank eines einflussreichen Bürgermeisters gelang, soll in der Landeshauptstadt unmöglich sein.

Mit Namensgebungen tun sich aber allerorts Politiker schwer. Erst zum vergangenen Landtagsplenum konnte man dies herrlich verfolgen, als der Thüringer Gesetzgeber zu weiteren freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen beraten und deren Neugliederung beschlossen hat. Ein bizarrer Namenstreit um eine Stadt hätte dabei fast den Frieden der mittlerweile stabil arbeiteten schwarz-roten-Koalition gefährdet und das gesamte Gesetzespaket zu Fall gebracht. Während in der heimischen Kreisliga Süd längst die Kicker unter dem gemeinsamen Fusionsnamen SG Königsee/Rottenbach spielen, wollten Lokalpolitiker die örtliche Namensgebung, die schon durch einen Vertrag besiegelt war, mit einer Befragung der Einwohner kippen. Immerhin 1726 der 4368 wahlberechtigten KönigseerInnen haben sich hernach auch für den Namen „Königsee“ ausgesprochen. Ein deutliches Votum. Wenn man nur nicht vergessen hätte, die Einwohner im kleinen Örtchen Rottenbach zu fragen, was die denn davon hielten. Aber selbst wenn sämtliche Wahlberechtigte aus dessen neun Ortsteilen gemeinsam für den Doppelnamen votiert hätten, es wäre vergebens gewesen. Am Ende entschied der Landtag für die Fusion, vertragstreu und gegen das Votum des Innenausschusses, der erst Stunden zuvor das Neugliederungsgesetz noch einmal aufschnürte.

Nicht minder verwunderlich, wie sich eben in Erfurt ein Streit um den Altministerpräsidenten Bernhard Vogel entzündete. Während im Landesparlament hinter den Kulissen seit Monaten um die Idee einer Namensnennung der Fraktionsräume still und leise verhandelt wurde, knallte mit voller Wucht eine beschämende lokalpolitische Petitesse an die Öffentlichkeit. Hochmögende Erfurter Bürger wollten dem kurz vor seinem 80. Geburtstag stehenden demokratisch gewählten Doppelregenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen die landeshauptstadtliche Ehrenbürgerwürde verliehen wissen. Der rot-rot-grünen geführten Erfurter Ratsmehrheit war dies aber zu viel der Ehrung. Vogel habe nichts herausragendes für die Stadt geleistet. Deswegen sei man mit einem Willy-Brandt-Platz, einem Kurt-Schumacher-Forum und gar eine Regine-Hildebrandt-Strasse natürlich viel besser bedacht. Man könne dem Jubilar ja einen Brief zum Geburtstag schreiben, so der sozialdemokratische Oberbürgermeister. Na wenn das nicht rührig ist.

Einstimmig dagegen das Votum des Ältestenrates im Landtag. Und nach erteilter Genehmigung durch die Landtagspräsidentin darf die hiesige CDU ihren Sitzungsraum nun „Bernhard-Vogel-Saal“ nennen. Der Größe des christdemokratischen Raumes angemessen geht es unter „Saal“ natürlich nicht. Aber selbst für die Linke wäre eine Namensgebung nicht schwer, würde man sich doch auf eine gegenwärtig weit weg in Europa sitzende Abgeordnete und ehemalige Vorsitzende einigen. Name und Raumgröße wäre gleichermaßen angemessen berücksichtigt: Gabi’s „Zimmer“.

Noch einfacher hätten es die hiesigen Sozialdemokraten, die ganz Erfurt mit SPD-Größen benennen wollen und dem nahe liegenden Gotha offensichtlich als sozialdemokratische Brutstätte alle Ehren streitig machen wollen. Könnte man doch den Fraktionsraum der Genossen gleich der kleingeistigen Debatte um die Ehrenbürgerschaft Vogels und das letzte Wahlergebnis berücksichtigend einfach umbenennen, in SPD-Zelle.

Einem Bernhard Vogel wäre dies wohl nicht recht. Ist er doch regelmäßig bemüht gewesen, wohl nicht nur seines Bruders, sondern der Demokratie Willen, daß es eine zweite, wenn auch kleine, Volkspartei gibt. Mögen also die Spiele beginnen …

Präsidenten

Es ist einsam um unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck geworden. In dem einem Sternenhimmel gleich ausgeleuchteten Kabinettsaal in der Thüringer Staatskanzlei ist das Porträt des deutschen Staatsoberhauptes der letztlich verbliebene Schmuck.

Präsidenten kommen und gehen. Das war schon immer so und in Demokratien ein nahezu natürlicher Vorgang. Aber so karg wie heute waren die Wände der heiligen Hallen in der Erfurter Regierungszentrale lang nicht mehr behangen. Seit der Bundespräsidentschaft von Richard von Weizäcker hat es immer wieder zunächst turnusmäßige und später geradezu hektische Bilderwechsel gegeben. Und mit der Präsidentschaft von Horst Köhler erinnerte sich auch der seinerzeit amtierende Ministerpräsident seiner Vorgänger im 1920 gegründeten Land Thüringen, was dazu führte, dass an der Stirnseite des Regierungssaales sechs schwarz-weiss Porträts von den vormaligen Vorsitzenden des Staatsminsteriums, Dr. Arnold Paulssen, bis zum Ministerpräsidenten Dr. Rudolf Paul ausgestellt wurden. Die hübsche Galerie vervollständigten die nach der friedlichen Revolution ins Amt gewählten Ministerpräsidenten Josef Duchac und Dr. Bernhard Vogel an der längeren Seite des Raumes – mit Platz für viele Nachfolger. Und nach der Landtagswahl 2009 gesellte sich der „Galerist“ und Ideengeber der illustren Männerrunde selbst in den Bilderreigen.

Seither regieren in der ehemaligen Kurmainzerischen Statthalterei nur noch Frauen. Die gute Stube wurde gemalert und die Bilder der Ministerpräsidenten in Reih und Glied gegenüber des Platzes der Regierungschefin aufgehangen. Dieses vis-à-vis mit den Vorgängern führte offensichtlich zu aufwallenden Gefühlen beim historischen Blick auf die  Vorgänger bei den neuen Hausherrinnen. Eine neuerliche Malerwut erfasste die selbsterklärte Dienstleistungszentrale mit der Folge, dass nun schon seit Wochen die „alten Männer“ aus dem Angesicht verbannt wurden. So bleibt den schwarz-roten Koalitionären das Phänomen des Déjà-vu erspart und die Erkenntnis: die Männer in der Staatskanzlei sind vorerst verschwunden.

Das U im Buvo

Bundesvorstand. Sozusagen im Bug auf der ersten Etage, in der einem Schiff animierten Bundesgeschäftsstelle, eröffnet sich der Raum, in dem die Entscheidungen des Präsidiums repetiert werden. An einem sich weit öffnenden U gleich, dürfen die an den Tischen sitzen, die gewählt und qua Amt kooptiert sind. Dahinter sitzen – gefühlsmäßig – mindestens genau so viele Mitarbeiter aus der Bundesgeschäftsstelle.
Aber wo setzt man sich hin als neu gewähltes Mitglied? Innen, außen, gar vorn? Ich hab nach meiner Wahl im November Bernhard Vogel gefragt. Die Antwort war einfach: innen, auf der rechten Seite, bei den Vereinigungen und nah bei Rheinland-Pfalz. Da wir Thüringer zu dritt sind, hab ich mich von nun an zwischen Dagmar Schipanski und Christine Lieberknecht gesetzt.
Wenn die Kanzlerin kommt und mit ihr die Fotografen und die, die am wichtigsten sein mögen, dann läuft sie rechts außenherum nach vorn und grüßt – sehr freundlich – alle jene die da innen und außen sitzen. Und so komme ich, wie wahrscheinlich schon alle Thüringer vor mir im Buvo in den Genuss der Kanzlerhand und einer wirklich persönlichen Begrüßung.
Das stimmt sanftmütig, vorallem wenn anschließend je nach Stimmungslage, alle Atomkraftwerke stillgelegt, weitere Hilfen für Griechenland erklärt, die Maastricht-Kritierien umgangen, die Wehrpflicht abgeschafft, die Libyen -Enthaltung des liberalen Außenministers diskutiert oder demnächst über das Kooperationsverbot in der Bildung gesprochen wird. Wenn nach den Berichten die Diskussion beginnt, wird ein kleines Mittagessen gereicht. Irgendwie nUetzlich.