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Im alten Börsensaal des vormaligen Leipziger Schlachthofes tagt regelmäßig der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunkes. Ein übervölkertes Gremium der Dreiländeranstalt von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zu viel Menschen für zu wenig Gestühl im italienischen Renaissancestil ausgeschmückten Saal. Wer nicht pünktlich zur Sitzung erscheint, dem verbleibt gleich dem im mitteldeutschen Raum beliebten Polterabendspiel „Reise nach Jerusalem“ eigentlich nur noch ein spassiger Zuschauerplatz. Und der Entzug von Kaffee, Saft und garantiertem Obstspieß.

Zur Schlachtbank geführt muss sich unlängst der vom mdr-Verwaltungsrat vorgeschlagene Intendanten-Bewerber Bernd Hilder gefühlt haben. Der Rundfunkrat versammelte sich zu einem einzigen Punkt: der Nichtwahl des Intendanten. Ein Panoptikum. Die Obstspieße vertilgend und auffällig desinteressiert wurde in der eben noch gekürzt zur Verfügung stehenden  Zeit die Bewerbung entgegengenommen. Kurzum: der Kandidat wurde geschlachtet. 

Ob dieses Signals wusste auch der Verwaltungsrat bei seiner zweiten, nun einstimmigen, Nominierung was zu tun und wie die Schlachtbank zu vermeiden ist. Nur gut, daß noch immer der Alte selbst als Intendant alles zu verantworten hat, was das Tageslicht erblickt: Die tanzenden mdr-Showballettmädels beim Diktator in Tschetschenien, der in seiner eigenen Vertragswelt versumpfte Unterhaltungschef oder die abgezweigten Millionen beim Kika, ohne das dies etwa der eigenen Revision oder den Hausjuristen über viele Jahre aufgefallen wäre.

Aber vielleicht war das ja auch nicht gewollt. Unzählige Beteiligungen des mdr über eine eigene 100%ige Tochterfirma haben sämtliche Aktivitäten den überfüllten Gremien der Aufsicht entzogen. Im Namen des mdr dürfen die einen Geld von Dritten einfordern und eigene Verträge basteln und die anderen dürfen für „marktübliche Gage“ beim Diktator tanzen. Von verschwundenen Millionen die niemand vermisst ganz zu schweigen. Im mdr gehört aufräumt. Ob die Besen gut kehren, die zuvor um die Ecken einen Bogen gemacht haben, wird zu beweisen sein.

Troika

Mit der Troika in das weite Land. So kann man in Abwandlung eines Ivan Rebroff Liedes die immer häufiger auftretenden politischen Dreigespänner besingen. Schon in den Siebzigern und Neunzigern machte eine SPD-Troika von sich reden. Zuletzt machten sich Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder gemeinsam zur Regierungsübernahme nach einer langen und guten Kohl-Kanzlerschaft auf. Doch die Troika zerbrach. Nur einer wurde Kanzler, ein anderer versank im Swimmingpool und der Dritte gründete eine neue Partei links von der SPD, der er seither schwer zuschaffen macht.

Doch aus der Geschichte lernt nicht jeder. Und auch nicht die SPD. Deswegen will eine neue Troika der Sozialdemokraten von Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück die Machtfrage nicht entscheiden und zunächst gemeinsam Angela Merkel das Bundeskanzleramt streitig machen und für die SPD erretten. Schon einige Männer haben sich dabei verkalkuliert.

Drei andere haben sich auch vorgenommen zumindestens die Griechen, wenn nicht sogar den ganzen Euro-Raum zu retten. Die Inspektoren der Troika aus EU, EZB und IWF prüfen die Umsetzung des Konsolidierungsprogramms der griechischen Regierung und entscheiden über die Überweisung der nächsten Tranche an Notkrediten von immerhin acht Milliarden Euro.

Doch nützt dies tatsächlich noch, die Pleite von den Helenen abzuwenden? Wenn nicht, dann haben die aktuelleren Dreigespänner eines gemeinsam. Ihre Reise in das weite Land war erfolglos.