Post von Koch

Parteitage sind ein Fest der Selbstvergewisserung. Wenn es gut läuft, dann ist die Stimmung prächtig, die Delegierten klatschen aus vollem Herzen, erheben sich nach einer guten Rede und es gibt Wahlergebnisse mindestens um die 90 %. Am nachfolgenden Tage sind die Tageszeitungen voll mit Berichten und -je nach Stimmung des Berichterstatters- analysierenden Kommentaren.

Die Delegierten fahren bepackt mit Beschlüssen und hoch motiviert in ihre Kreisverbände und erzählen wie einst die Jünger Jesu begeistert von dem, was ihnen widerfahren ist. Aufmerksame Zeitgenossen schreiben hernach Glückwünsche an die Vorsitzenden und ihre Getreuen und nehmen so noch lange am Feste teil, selbst wenn sie, vielleicht zwar körperlich, aber eben nicht geistig dabei sein konnten.

Im November versuchte sich die Thüringer CDU an einer solchen Selbstvergewisserung. Der Ausgang ist bekannt. Dennoch schickt es sich für Parteifreunde, auch zu den selbst erklärten „Arbeitsergebnissen“ zu gratulieren, zumal dann, wenn man selbst vor der eigenen erneuten Nominierung steht. Im Überschwang dieser Glücksgefühle wird jeder umarmt und beglückwünscht, auch wenn jene gar nicht zur Wahl standen.

So dürfte sich die in 2009 gewählte hiesige Landtagspräsidentin ob ihrer vermeintlichen Wiederwahl als eben solche über eine europäische Grussadresse freuen. Dem Anspruch der Thüringenpartei war dieser fromme Wunsch natürlich gerecht, aber mindestens Parlamentarier sollten wissen, Parlamentspräsidenten wählen nur die Parlamente. Aber auch der seit fünf Jahren im Amt befindliche Fraktionschef bekam Post mit aufrichtiger Gratulation und dem Wissen um die schwierige Aufgabe, der vorhandenen Erfahrung und Sensibilität – zu seiner Wiederwahl als Generalsekretär. Dem Amtsinhaber mag es wegen der ausgebliebenen Briefpost grämen, aber er kann sich sicher sein, spätestens in fünf Jahren wird nachträglich gratuliert.

In den 1970er Jahren spottete man in Ermangelung der Kompetenzen des Europaparlaments und der damit einhergehenden Bedeutungslosigkeit: Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa. Im Laufe der Jahre hat auch in Brüssel der Wandel Einzug gehalten. Deswegen gilt der alte Spott nicht mehr. Aber neuer Spott bleibt: Ist dein hohes Amt dir noch so Joch, bekommst du Post vom Europa-Koch.

Vogelfestspiele

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In einer Woche beginnen nie dagewesene Feierlichkeiten. In Berlin, in Erfurt und in Speyer soll dem Jubilar eine knappe Woche lang mit einem Buch, Ehrungen, Reden, Namensgebungen und Ehrenmitgliedschaften gewürdigt werden, der unnachahmbar in zwei Bundesländern regiert, zwei Landesverbände der CDU angeführt, zweimal den Bundesrat vorgestanden, zweimal der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgesessen und sogar dreimal absolute Mehrheiten errang. Nur eine Ehrung bleibt ihm versagt, die kostenlose Strassenbahnfahrt durch Erfurt dank einer städtischen Ehrenbürgerwürde. Was im kleinen Nest Tröbnitz dank eines einflussreichen Bürgermeisters gelang, soll in der Landeshauptstadt unmöglich sein.

Mit Namensgebungen tun sich aber allerorts Politiker schwer. Erst zum vergangenen Landtagsplenum konnte man dies herrlich verfolgen, als der Thüringer Gesetzgeber zu weiteren freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen beraten und deren Neugliederung beschlossen hat. Ein bizarrer Namenstreit um eine Stadt hätte dabei fast den Frieden der mittlerweile stabil arbeiteten schwarz-roten-Koalition gefährdet und das gesamte Gesetzespaket zu Fall gebracht. Während in der heimischen Kreisliga Süd längst die Kicker unter dem gemeinsamen Fusionsnamen SG Königsee/Rottenbach spielen, wollten Lokalpolitiker die örtliche Namensgebung, die schon durch einen Vertrag besiegelt war, mit einer Befragung der Einwohner kippen. Immerhin 1726 der 4368 wahlberechtigten KönigseerInnen haben sich hernach auch für den Namen „Königsee“ ausgesprochen. Ein deutliches Votum. Wenn man nur nicht vergessen hätte, die Einwohner im kleinen Örtchen Rottenbach zu fragen, was die denn davon hielten. Aber selbst wenn sämtliche Wahlberechtigte aus dessen neun Ortsteilen gemeinsam für den Doppelnamen votiert hätten, es wäre vergebens gewesen. Am Ende entschied der Landtag für die Fusion, vertragstreu und gegen das Votum des Innenausschusses, der erst Stunden zuvor das Neugliederungsgesetz noch einmal aufschnürte.

Nicht minder verwunderlich, wie sich eben in Erfurt ein Streit um den Altministerpräsidenten Bernhard Vogel entzündete. Während im Landesparlament hinter den Kulissen seit Monaten um die Idee einer Namensnennung der Fraktionsräume still und leise verhandelt wurde, knallte mit voller Wucht eine beschämende lokalpolitische Petitesse an die Öffentlichkeit. Hochmögende Erfurter Bürger wollten dem kurz vor seinem 80. Geburtstag stehenden demokratisch gewählten Doppelregenten von Rheinland-Pfalz und Thüringen die landeshauptstadtliche Ehrenbürgerwürde verliehen wissen. Der rot-rot-grünen geführten Erfurter Ratsmehrheit war dies aber zu viel der Ehrung. Vogel habe nichts herausragendes für die Stadt geleistet. Deswegen sei man mit einem Willy-Brandt-Platz, einem Kurt-Schumacher-Forum und gar eine Regine-Hildebrandt-Strasse natürlich viel besser bedacht. Man könne dem Jubilar ja einen Brief zum Geburtstag schreiben, so der sozialdemokratische Oberbürgermeister. Na wenn das nicht rührig ist.

Einstimmig dagegen das Votum des Ältestenrates im Landtag. Und nach erteilter Genehmigung durch die Landtagspräsidentin darf die hiesige CDU ihren Sitzungsraum nun „Bernhard-Vogel-Saal“ nennen. Der Größe des christdemokratischen Raumes angemessen geht es unter „Saal“ natürlich nicht. Aber selbst für die Linke wäre eine Namensgebung nicht schwer, würde man sich doch auf eine gegenwärtig weit weg in Europa sitzende Abgeordnete und ehemalige Vorsitzende einigen. Name und Raumgröße wäre gleichermaßen angemessen berücksichtigt: Gabi’s „Zimmer“.

Noch einfacher hätten es die hiesigen Sozialdemokraten, die ganz Erfurt mit SPD-Größen benennen wollen und dem nahe liegenden Gotha offensichtlich als sozialdemokratische Brutstätte alle Ehren streitig machen wollen. Könnte man doch den Fraktionsraum der Genossen gleich der kleingeistigen Debatte um die Ehrenbürgerschaft Vogels und das letzte Wahlergebnis berücksichtigend einfach umbenennen, in SPD-Zelle.

Einem Bernhard Vogel wäre dies wohl nicht recht. Ist er doch regelmäßig bemüht gewesen, wohl nicht nur seines Bruders, sondern der Demokratie Willen, daß es eine zweite, wenn auch kleine, Volkspartei gibt. Mögen also die Spiele beginnen …

SPD

„Er kann es“ ruft der eben frisch gekürte Millennium-Bambi-Preisträger und Altkanzler Helmut Schmidt aus und kürt seinerseits SPD-Hinterbänkler Peer Steinbrück, demokratisch durch und durch, zum SPD-Kanzlerkandidaten. So einfach kann Führung bei Sozialdemokraten sein.
In Thüringen ist das viel basisdemokratischer. Das geht dann so: Sucht die Kabinettschefin beim Koalitionspartner jemand zum reden, geht sie zu ihrem Vize. Wenn der nicht mag, verweist er auf seinen Fraktionschef. Nun kann es sein und man mag es kaum glauben, der mag auch nicht, dann ist der Ansprechpartner auf Augenhöhe manchmal dessen innenpolitischer Sprecher. Der darf dann entweder zu einem christdemokratischen Anliegen einfach „Nein“ sagen oder verweist seinerseits auf die Fraktion, die erst noch entscheiden müsse. Das Ergebnis bliebe offen.
Schöner mutet da doch an, wenn das Schwarz-rote Kabinett Steuern schätzt. Man redet, prüft und rechnet und präsentiert ein solides Ergebnis. Nur einer, der dem Kabinett nicht beiwohnen konnte, verkündet viele tausend Kilometer von der neuen Heimat entfernt, die geschätzten Zahlen der geschätzten Kollegen seien frisiert. Nun, ein Friseur täte ihm tatsächlich gut.
Was macht es da für Freude, wenn sich die Fachkollegen in einem Thema nicht gleich treu und brav einigen können. Spätestens wenn sich wegen schierer Unerreichbarkeit die Parlamentarischen nicht finden können, muss die linke und rechte Herzkammer der Koalition anfangen zu schlagen. Aber noch so wahre Freundschaft führt nicht immer zu sofortiger Klarheit, wenn linksseitig noch der Vize gefragt werden muss, der seinerseits seinen Widerpart im Wirtschaftsministerium fragen, dann aber bei dessen „Nein“ den Koalitionsausschuss bitten und natürlich danach erst die Fraktion tagen, um gegen Ende eine Koalitionsarbeitsgruppe in der Staatskanzlei angerufen, die Fraktion zum Ergebnis erneut befragt und zum Schluss den Fachkollegen das Thema zur treuen und braven Einigung wieder übergeben wird.
Am besten ist doch, die hiesigen Koalitionsfreunde ließen einfach Helmut Schmidt entscheiden. Wie einfach könnte Führung sein.

PS. Dies ist natürlich frei erfunden und soll des Koalitionsfriedens wegen ausdrücklich niedergeschrieben sein. Herzlichen Glückwunsch zu zwei Jahren Schwarz-rot.

mdr

Im alten Börsensaal des vormaligen Leipziger Schlachthofes tagt regelmäßig der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunkes. Ein übervölkertes Gremium der Dreiländeranstalt von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zu viel Menschen für zu wenig Gestühl im italienischen Renaissancestil ausgeschmückten Saal. Wer nicht pünktlich zur Sitzung erscheint, dem verbleibt gleich dem im mitteldeutschen Raum beliebten Polterabendspiel „Reise nach Jerusalem“ eigentlich nur noch ein spassiger Zuschauerplatz. Und der Entzug von Kaffee, Saft und garantiertem Obstspieß.

Zur Schlachtbank geführt muss sich unlängst der vom mdr-Verwaltungsrat vorgeschlagene Intendanten-Bewerber Bernd Hilder gefühlt haben. Der Rundfunkrat versammelte sich zu einem einzigen Punkt: der Nichtwahl des Intendanten. Ein Panoptikum. Die Obstspieße vertilgend und auffällig desinteressiert wurde in der eben noch gekürzt zur Verfügung stehenden  Zeit die Bewerbung entgegengenommen. Kurzum: der Kandidat wurde geschlachtet. 

Ob dieses Signals wusste auch der Verwaltungsrat bei seiner zweiten, nun einstimmigen, Nominierung was zu tun und wie die Schlachtbank zu vermeiden ist. Nur gut, daß noch immer der Alte selbst als Intendant alles zu verantworten hat, was das Tageslicht erblickt: Die tanzenden mdr-Showballettmädels beim Diktator in Tschetschenien, der in seiner eigenen Vertragswelt versumpfte Unterhaltungschef oder die abgezweigten Millionen beim Kika, ohne das dies etwa der eigenen Revision oder den Hausjuristen über viele Jahre aufgefallen wäre.

Aber vielleicht war das ja auch nicht gewollt. Unzählige Beteiligungen des mdr über eine eigene 100%ige Tochterfirma haben sämtliche Aktivitäten den überfüllten Gremien der Aufsicht entzogen. Im Namen des mdr dürfen die einen Geld von Dritten einfordern und eigene Verträge basteln und die anderen dürfen für „marktübliche Gage“ beim Diktator tanzen. Von verschwundenen Millionen die niemand vermisst ganz zu schweigen. Im mdr gehört aufräumt. Ob die Besen gut kehren, die zuvor um die Ecken einen Bogen gemacht haben, wird zu beweisen sein.

Mandala

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Um sich zu entspannen und die Konzentration zu stärken, können viele Dinge unternommen werden. Angeblich auch, in aller Ruhe ein Mandala auszumalen.
Mandala bedeutet soviel wie Kreis oder Zentrum. Um einen deutlich ruhenden Mittelpunkt sind Formen und Muster angebracht. Mandalas seien Heilmittel für die Seele sowie die Verschmelzung von Körper Geist und Seele, wobei man seine eigene Kreativität und die einen umschließende Wirklichkeit neu entdecken könne. Alltag und Stress seien leichter zu bewältigen, man soll ruhig werden sowie Vertrauen und Gelassenheit gewinnen. So heißt es auf free-mandala.com.
So ein Mandala hat auch Bodo Ramelow in seiner Kur für mich „mit Mühe ausgemalt“, wie er mir dazu schrieb.
Von Ruhe und Gelassenheit ist er aber noch weit entfernt, trotz Yoga, Mandala und Oppositionspräsigkeit.
Ein kleines Widerwort in gemeinsamen Sitzungen genügt. Und wenn es besonders gut läuft, dann verlässt er empört sogar den Raum. Sein Aufbrausen ist so schön vorhersehbar. Dabei gewinnt man Vertrauen und Gelassenheit. Das ist viel besser, als ein Mandala auszumalen.

Mohringen ?

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Neues aus Mohringen?

Moringen gibt es wirklich. Gleich an der A7 im niedersächsischen Landkreis Northeim. Nur eben ohne >H<. Aber das kann entscheidend sein, wie schon ein Blick in das Periodensystem der Elemente verrät. Dort steht es als Elementsymbol für Wasserstoff.

Dieses Element ist nicht nur entscheidender Bestandteil des lebenswichtigen H2O, sondern ist auch äußerst energiegeladen – wenn auch zuweilen explosiv. Zudem gilt es als Antrieb der Zukunft und wird für die Stromerzeugung in Brennstoffzellen und als Raketentreibstoff verwendet.

Das >H< macht Moringen erst zu Mohringen. Aber wo liegt Mohringen? Was soll Mohringen? Es ein Gedanke, eine Idee. Es ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle. Auf jeden Fall ein Ort in Thüringen. Vielleicht ist es der idealtypische Ort im Freistaat. Mit mehr Heimat. Mehr Freiheit. Mehr Bürgerlichkeit. Weniger Links. Meinungsstark und Zukunftsorientiert.

Dieser Blog wird dazu einen Einblick geben. Politisch. Streitbar. Authentisch. Und in jedem Fall aus Mohringen ;-)

Wetter

Winterwetter Von einem Engpass mögen Hersteller und Straßenmeistereien noch nicht reden – hält das eisige Wetter aber an, könnte Streusalz knapp werden. In Niedersachsen gibt es bereits Pläne, weniger zu streuen. Auch andernorts müssen Streudienste haushalten.